Haltung/Platzanspruch Kaninchen

Der Gedanke, ein Kaninchen sitzt alleine in einem Käfig in der Kinderzimmerecke oder im Garten im Stall, ist veraltet und tierschutzrelevant.Kaninchen haben einen sehr hohen Bewegungsdrang, brauchen Beschäftigung und Freiraum.Eine Mindestfläche von 6m² Grundfläche für zwei Kaninchen (jedes weitere + 20% Grundfläche) schreiben die vor kurzen veröffentlichten Vorgaben der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) vor.
Die Angaben der TVT gelten zur Auslegung von §2 Tierschutzgesetz (TschG), welches vorschreibt, dass jede:r Halter:in die Kaninchen „verhaltensgerecht unterzubringen“ hat und „die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken [darf], dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden“.
Im Falle eines Gerichtsverfahrens werden die Merkblätter der TVT als Sachverständigengutachten zur Auslegung des §2 Tierschutzgesetz herangezogen und dienen den Amtsveterinären als Vorgabe für Mindestanforderungen in der Hauskaninchenhaltung.

Entsprechend große Gehege können z.B. mit Steckregalsystemen wie Songmics individuell gestaltet werden. So haben Kinder auch die Möglichkeit viel mehr Interaktion mit den Tieren zu betreiben, in dem sie z.B. in das Gehege steigen können und sich am Boden sitzend mit den Tieren beschäftigen. Ebenso bleiben Tapeten vom Anknabbern verschont.

Auch nachts sollten Kaninchen nie in einen Käfig gesperrt werden, da die Tiere dämmerungsaktiv sind und auch nachts Bewegung brauchen. Auch eine Einzelhaltung von Kaninchen entspricht nicht einer artgerechten Tierhaltung. Kaninchen brauchen mindestens ein Partnertier, mit dem sie sich beschäftigen können – der Mensch kann dies nicht ersetzen.

Ob Sie die Kaninchen nur im Haus oder nur im Garten halten, ist nicht relevant solange der Platz stimmt. Natürlich freuen sich die Tiere auch über den Freilauf im Garten, dieser muss jedoch gegen Feinde gesichert werden. Auch das Einfangen und raus bringen sollte so gestaltet werden, dass möglichst wenig Stress für die Tiere entsteht.

Die Haltung von Kaninchen ist leider nicht so anspruchslos und kostengünstig, wie sie oftmals dargestellt wird. Als Halter:in sollte man sich umfassend informieren, um ihnen gerecht zu werden.

Sehr empfehlenswert ist es, den Kaninchenführerschein (www.haustierfuehrerschein.de) zu machen. Dies ist ein freiwilliger Online-Test zum Kaninchenwissen.

Quelle: www.kaninchenwiese.de

Vergesellschaftung

Eine Einzelhaltung von Kaninchen entspricht nicht einer artgerechten Tierhaltung. Kaninchen brauchen mindestens ein Partnertier, mit dem sie sich beschäftigen können – der Mensch kann dies nicht ersetzen.

Zur Vergesellschaftung von neuen Kaninchen muss immer ein neutrales Gehege zur Verfügung stehen, dass heißt einen Platz, den keiner der Kaninchen kennt (nicht im „Revier“). Hierzu eignet sich oftmals das Badezimmer, da Kaninchen während der Vergesellschaftung auch z.B. mit Urin spritzen können. Fliesen sollten jedoch mit rutschfesten Teppichen ausgelegt werden. Auf keinen Fall dürfen Sie Kaninchen zusammen in eine Transportbox stecken oder, wie oft fälschlicherweise empfohlen, mit Parfüm besprühen.

Im Gehege sollten nach Möglichkeit keine gewohnten Gegenstände sondern nur völlig fremdes Inventar sein. Gut geeignet sind Pappkartons, in die man einen Ein- und einen Ausgang schneidet. So entstehen keine Sackgassen, die bei einer Zusammenführung tabu sind, damit kein Tier in die Enge getrieben wird. Ebenfalls gut geeignet sind Tunnel, Röhren, Weidenbrücken, erhöhte Plätze usw. Die Kaninchen sollten genug Rückzugsbereiche haben. Je nach Verlauf kann es aber auch mal nötig sein, diese teilweise zu entfernen (wenn sie sich zu sehr aus dem Weg gehen oder es sich zu lange hinzieht).

Die Kaninchen sollten gleichzeitig im neutralen Gehege abgesetzt werden und dürfen sich vorher nicht beschnuppern oder sehen. Futter-und Wasserstellen sollten auch mehrere zur Verfügung stehen, da die Tiere erst mal noch nicht zusammen fressen werden.

Die Kaninchen klären nun außerhalb ihres Revieres die Rangordnung indem sie kämpfen, rammeln und Fell ausreißen, sich aber nicht schwer verletzen. So gut wie immer kommt es auch zu Jagereien und Streitereien. Dieses Verhalten ist ganz normal und nötig, damit sie die Rangordnung klären können und nur mit geklärter Rangordnung ist nachher ein harmonisches Zusammenleben möglich.

Für Besitzer:innen, die zum ersten Mal eine Vergesellschaftung mitmachen, ist es oftmals schwer mitanzusehen, gehört aber leider zur einer richtigen Vergesellschaftung dazu.

Die ersten Stunden sollte man aber dabei bleiben oder sehr oft nach ihnen schauen um eingreifen zu können, falls sie sich ineinander verbeißen (Decke drüber oder dazwischen werfen bzw. sie erschrecken und wieder weiter kämpfen lassen), eines der Kaninchen extrem unter der Zusammenführung leidet (nichts mehr frisst, mit Kopf gegen das Gitter oder die Wand da sitzt etc.) und das andere es weiter quält oder wenn es zu ernsthaften Verletzungen kommt, so dass man den:die Tierärzt:in aufsuchen muss.

Es kann mehrere Wochen dauern, bis sie sich beruhigt haben und miteinander vertragen. Wenn sie miteinander fressen und nebeneinander sitzen, können sie zurück ins alte Gehege ziehen (altes Revier eines Tieres). Das alte Gehege sollte zuvor eine Grund-Reinigung mit Essigwasser bekommen, für den Übergang verwendet man erst einmal nur neutrale Gegenstände/Einrichtung und räumt die Gehegeaufteilung etwas um. Es kann noch mal zu leichten Auseinandersetzungen kommen, wenn die Kaninchen in das alte Revier umziehen. Diese legen sich aber in der Regel sehr schnell wieder.

Eine Studie zeigt, dass ein gemeinsames Aufwachen aus der Narkose die Aggressivität hemmen kann. Diese Methode kann genutzt werden, wenn beispielsweise zwei Rammler gleichzeitig kastriert werden oder als “letzte Möglichkeit” bei sehr schwierigen Kaninchen indem man sie leicht sediert (mit den Tierärzt:innen absprechen!) und zusammen aufwachen lässt.

Kaninchen sind sehr soziale Tiere. Kein Kaninchen ist von Grund auf unverträglich, scheinbare Aggressionen kommen meist durch eine falsche Technik bei der Zusammenführung, Unwissenheit über das normale Verhalten von Kaninchen und unzureichende Haltungsbedingungen zustande.

Quelle:www.kaninchenwiese.de

Grünfutterliste Kaninchen + Meerschweinchen

App Empfehlung: Flora Incognita, Mein Futterlexikon

Jede Art von Kohl ist UNBEDENKLICH, wenn die Tiere KEIN Trockenfutter bekommen. Trotzdem sollte jede neue Sorte immer langsam in kleinen Mengen angefüttert werden.

 Gemüse:

Blumenkohlblätter, Chicorée, Chinakohl, Endiviensalat, Feldsalat, Karottengrün, Kohlrabiblätter, Grünkohl, Mangold, Romanasalat, Ruccola, Bambus, Stangensellerie, Brokkoli, Eichblattsalat, Fenchel, Frisee Salat, Lollo Rosso, Lollo Bionda, Pak Choy, Schwarzkohl, Raddichio, Radieschenblätter, Rosenkohl, Rotkohl, Spitzkohl, Stielmus, Wirsing, Zuckerhut,Löwenzahnsalat

Knollengemüse wie Karotten, Pastinake, Petersilienwurzel, Steckrübe, rote Beete und Topinambur nur in kleinen Mengen als Leckerlie anbieten. Die Hauptnahrung der Tiere sollte aus blättrigem Grün bestehen.

Obst sollte wegen Fruchtzucker nur selten und in ganz kleinen Mengen angeboten werden, z.B. Apfel, Banane, Beeren.

Kräuter:

Basilikum, Dill, Kamille, Kerbel, Beifuß, Liebstöckel, Oregano, Melisse, Petersilie, Pfefferminz, Salbei, Thymian

Wildkräuter und Gräser: Löwenzahn, Gras, Brunnenkresse, Gänseblümchen, Brennnessel, Schafgarbe, Spitz und Breitwegerich, Vogelmiere, Sternmiere, Malve, Wiesenbärenklau, Klee, Mädesüß und viele weitere

Zweige:

alle Arten von Obstbäumen (ungespritzt !), Buche, Eiche, Erle, Esche, Pappel, Haselnuss, Birke, Brombeere, Himbeere und Johannisbeere, Rosen, Kiefer, Fichte, Forsythie, Hartriegel, Linde, Ranunkelstrauch, Weide, Wilder Wein, Weißdorn

Dies sind nur kleine Auszüge aus dem Repertoire der Fütterung: Wer sich spezialisieren möchte, kann sich die App „Flora Incognita“ herunterladen, die Pflanze scannen und mit der App „Mein Futterlexikon“ vergleichen.

Grünfutter sollte immer in ausreichender Menge zur freien Verfügung stehen. Bei jeder neuen Fütterung, sollte das alte Grün entfernt werden. Mit der Zeit lernt man, wie viel die Tiere fressen und kann die Portionsgrößen anpassen.

Jegliche Art von Trockenfutter ist tabu! Als Leckerlie können Leinkuchen, Schwarzkümmelkuchen, getrocknete Kräuter oder Erbsenflocken gegeben werden. Maximal ein „Pellet“ pro Tier und nicht täglich!

Quelle: www.kaninchenwiese.de

www.meerschweinchenwiese.de

 Kastration weiblicher Kaninchen

Unter Kaninchenmenschen ist es mittlerweile kein Novum mehr, dass die Rammler bereits jung kastriert bzw. im Idealfall schon kastriert vermittelt werden – dies vermindert Rivalitäten unter Rammlern und verhindert ungeplanten Nachwuchs.

Weniger bekannt ist jedoch, dass auch eine Kastration der Weibchen bereits in jungem Alter von Fachleuten dringend empfohlen wird.

Kaninchen neigen  zu einem hohen Prozentsatz zu verschiedenen Gebärmuttererkrankungen wie Gebärmutterkrebs, aber auch zu Eierstockzysten und Gesäugekrebs. Diese Erkrankungen werden von Besitzer:innen meist sehr spät oder gar nicht erkannt, da die Tiere Anzeichen zum einen spät zeigen, zum anderen die Symptome sehr unspezifisch sind und erst mal nicht auf die Gebärmutter hinweisen. Weisen die Symptome dann doch auf die Gebärmutter hin, so können bereits Metastasen entstanden sein, die nicht mehr therapierbar sind.

So vergeht bis zur Diagnose wertvolle Zeit und es muss ein bereits geschwächtes Tier operiert werden, was das Narkoserisiko deutlich erhöht – wenn das Tier es überhaupt bis dahin schafft.

Für junge Tiere, die kastriert werden, ist das Risiko natürlich deutlich geringer.

Auch durch hormonelle Schwankungen bedingte Stress und Symptome wie Nestbau und vermehrte Unruhe in der Gruppe lassen sich durch die Kastration verhindern oder wenigstens deutlich mindern.

Somit ist die Kastration der Weibchen nicht nur eine Vorsorge gegen ungeplanten Nachwuchs, sondern dient auch der aktiven Gesundheitsvorsorge.

Im Idealfall werden auch die Weibchen von den Tierschutzvereinen bereits kastriert vermittelt oder es erfolgt eine Beratung der neuen Besitzer:innen und Vermittlung an erfahrene Tierärzt:innen.

Quelle: www.kaninchenwiese.de

E. Cuniculi – Krankheitsmanagement, Vorsorge und Vergesellschaftung nach EC-Status

Bei Encephalitozoonose Cuniculi handelt es sich um einen häufig vorkommenden Erreger bei Kaninchen, der das zentrale Nervensystem befällt und zu Sympotmen wie Kopfschiefhaltung, Lähmungen, Rollen, im Kreislaufen, Inkontinenz und unkontrollierten Augenbewegungen führen kann. Unbehandelt kann der Krankheitsverlauf tödlich enden.

Die Übertragung des Erregers erfolgt überwiegend über den Urin (z. B. gemeinsam genutzte Urinecken) und die Fellpflege, so dass ein positives Tier einen ganzen Bestand negativer anstecken kann. Auch kann er direkt vom Muttertier vererbt werden.

Der Erreger bricht aber nicht zwingend sofort aus. Bis zu 40% der gesunden Hauskaninchen tragen ihn unerkannt in sich, sind mit Erreger jahrelang gesund und entwickeln erst unter Stress oder im Alter Probleme.

Um diese Erkrankung unter Kontrolle zu halten (und bestenfalls auszurotten) ist es wichtig, die Tiere bereits VOR der Vergesellschaftung in einer neuen Gruppe auf EC zu testen. Der Test erfolgt über das Blut, Tierärzt:innen können die Blutentnahme vornehmen und die Probe ans Labor weiterleiten, das Ergebnis liegt meist nach wenigen Tagen vor.

Wichtig ist nun, die Kaninchen nach ihrem EC-Status zu vergesellschaften – positive zu positiven und negative zu negativen. Nur so kann eine weitere Ausbreitung verhindert werden.

Ein weiterer Vorteil der vorsorglichen Blutkontrolle ist, dass auf erste Anzeichen eines Ausbruchs besser geachtet wird. EC ist gut behandelbar, und je früher Symptome erkannt werden, desto schneller greifen Medikamente und es geht dem Tier schnell wieder gut. Heilbar ist EC jedoch nicht, es kann immer wieder zu Ausbrüchen kommen (z.B. auch unter positivem Stress)  – auch deshalb sollten Sie sich vor der Adoption von Kaninchen über deren EC-Status informieren.

Es wäre schön, wenn mehr Tierschutzorganisationen über diese Erkrankung aufklären und ihre Tiere vor Abgabe testen würden – sprechen sie die Verantwortlichen vor der Adoption auf dieses Untersuchung an!

Quelle: www.kaninchenwiese.de